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Coffs Harbour
Februar 22nd, 2010 by DieDiplomandin

20100223_coffsharbour_sydney 001 Die Zeit der Sesshaftigkeit war rum, das heißt ich musste das Apartment räumen. Das Apartment war schon klasse, aber nach 5 Tagen hatte ich schon wieder Sehnsucht nach meinem Minicamper. Allein die Ruhe, die man in dem Autochen hat, ist unvergleichbar. Im Apartment unter mir wechselten die Gäste beinah alle 2 Tage und jeder Gast hatte andere Gewohnheiten. Der eine stellte den Ventilator die ganze Nacht nicht ab, der andere rauchte wie ein Schlot und lies dabei die Eingangstür offen stehen. Wobei ihm wohl nicht bewusst war, dass der Rauch dadurch zu mir hoch wanderte. Obwohl es eine komplette Nichtraucheranlage war, kam sowas auch des Öfteren vor. Und noch so ein Paar, die meinten, es wäre kein Problem den Trockner die halbe Nacht laufen zu lassen, solange sie noch wach sind. Ok, ich gebe zu, ich bin etwas sensibel, aber ich glaube der Empfindlichkeitsgrad wächst mit der Sesshaftigkeit, genauso wie die Trägheit und die Fettleibigkeit. Jedenfalls scheint das bei mir so zu sein. In den acht Wochen, die ich unterwegs war, habe ich mindestens zwei Kleidergrößen abgenommen, bin um einiges gelenkiger und sportlicher geworden. Ich möchte diesen Zustand auf keinen Fall mehr gegen den alten eintauschen. Mit ein Grund mehr, warum ich froh war, dass ich endlich weiterziehen konnte. Man wird schnell zu bequem.

Somit war ich also richtig froh, dass ich jetzt wieder weiter konnte und meine letzten Nächte auf der harten Matratze im Minicamper verbringen darf. Wie schon die letzten 2,5 Monate hatte ich keinen Plan, außer der Vorgabe Sydney spätestens bis zum 04.März zu erreichen, da ich dann das Auto abgeben wollte. Damit war die Richtung  und eine gewisse Deadline vorgegeben und ein wenig auch die Vorgehensweise. Wie immer, wenn ich einen Termin habe, ist meine Vorgehensweise nämlich die, erst einmal hinfahren und dort ankommen. Dann abschätzen, wie weit und wie lange man sich noch entfernen kann, ohne den Termin zu gefährden. Also fütterte ich das Navi mit Sydney als Ziel und fuhr los. Am liebsten wäre ich komplett durchgefahren, aber bis ich endlich los kam von Coolum Beach, wurde es doch schon recht spät. Nämlich halb zwölf. Erst verzettelte ich mich in der Library, dann meinte ich noch einen kompletten Check inklusive Luftdruckkorrektur der Reifen vornehmen zu müssen und dann waren da noch andere Kleinigkeiten, die ich erledigen musste. Nach 600 Kilometern wurde es auch schon wieder dunkel und ich war kurz vor Coffs Harbour, einem kleinen Strandort. Im Dunkeln sah ich nichts, außer der Leuchtanzeige eines Resorts, von dem ich mal eine Abbildung in einem Prospekt gesehen hatte. Dem Schild fuhr ich hinterher. Es führte mich durch eine Prachtallee und irgendwann zu der Auffahrt des Nobel-Resorts. Mit meinem Gammleroutfit, kurzes Kleidchen und Schlappertasche, ging ich rein und dachte mir nur, fragen kostet nichts. Vielleicht haben die ein Zimmer für ein paar Dollar gerade frei oder ich kann mich auf dem Parkplatz abstellen. Aber der Typ an der Rezeption hatte eine bessere Idee. Er zeigte mir den Weg zum Shopping-Centre in der City von Coffs Harbour. Dort sollte es einen Parkplatz geben und da es direkt am Strand liegt, auch Duschen und Toiletten. Fand ich zunächst richtig klasse und fuhr in die Richtung, bog aber irgendwie zu früh ab und landete nicht in der City von Coffs Harbour, sondern in dem Vorort. Dort lachte mich dann der Wegweiser zu einem Campingplatz an und obwohl ich mittlerweile wusste, dass es in Australien außerhalb der Peak-Time keinen Sinn macht, zu hoffen, nach Einbruch der Dunkelheit beziehungsweise nach 18:00 Uhr, an der Rezeption noch jemand anzutreffen, fuhr ich instinktiv trotzdem hin. Und siehe da, es gab eine Nachtglocke und es waren auch schon andere Leute am klingeln. Der Nachtwächter kam in seinem Golf-Cart angefahren und managte zunächst das Dreiergrüppchen und dann mich. Gary, der Nachtwächter, war sehr nett und zuvorkommend. Er erzählte, dass er nächstes Jahr in Rente gehe und dann erst mal eine Tour durch Deutschland und England machen möchte. Denn da leben seine Verwandten. Schon wieder, dachte ich. Immer dieselbe Story. Nach meiner Statistik hat mindestens jeder zweite Australier Verwandte in Deutschland oder stammt selbst von dort. Dann verstehe ich aber nicht, warum die hier so einen Terz um das Visum machen, wenn die Hälfte der Australier sowieso Deutschstämmig sind. Wie dem auch sei, Gary war in Ordnung. Er gab mir einen Platz mit Stromanschluss zum Preis eines Platzes ohne Stromanschluss, machte mich darauf aufmerksam, dass man dort kostenfreies Wifi hat und half mir später noch bei der Anmeldung am Wifi-Netz, indem er mir seinen Benutzer-Zugang gab. Endlich mal wieder Skypen und Lindenstraße ruckelfrei anschauen. Ich war jedenfalls total happy doch noch einen Platz und dann noch relativ günstig, nämlich für 23,60 AUD, auf einem 5-Sterne-Campingplatz bekommen zu haben und das um diese Uhrzeit. Vor allem, weil ich mich schon auf dem Parkplatz des Einkaufszentrums gesehen hatte. Ist nicht so mein Ding, total unromantisch, kein wirkliches Abenteuer. Zur Not wäre ich dorthin gefahren, aber so war das mehr als perfekt.

Am nächstens Morgen wurde ich von einem Schwarm Vögel geweckt, die sich in dem kleinen Bäumchen über mir um die besten Plätze stritten. Da wars gerade mal halb sieben. Aber so ist das eben, das Camper-Leben. Früh ins Bett und früh morgens raus. Könnt mich dran gewöhnen.

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Ach-so, von Coffs Harbour habe ich nicht wirklich viel gesehen. Auf dem Weg zum Highway habe ich mich am nächsten Tag etwas verfahren und bin an die kleine Bucht  geraten, wo ich mir doch 5 Minuten lang überlegt habe, ob ich nicht verlängern sollte. Aber das Reisefieber brodelte zu doll und ich fuhr weiter.

War vielleicht ein Fehler …

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