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One night in Tennent Creek
Februar 8th, 2010 by DieDiplomandin

Smalltalk im Foodmarket

20100207_TennentCreek 031 Nachdem ich mehrere Fliegen unterwegs killen musste, um in Ruhe weiterfahren zu können, hielt ich unterwegs nicht mehr an, geschweige denn öffnete ich meine Fahrertür. Ich kann mich an diese Mücken einfach nicht gewöhnen. Wie gut, dass ich genügend getankt hatte. Aber so war die Fahrt auch recht langweilig. Tennent Creek war mein Ziel und der Plan war der, dort zu übernachten. Laut Lonely Planet sollte es da ein nettes Backpacker, die “Safari Lodge”, mit dem besten Preis/Leistungsverhältnis im Ort geben. Als ich dort ankam, fühlte ich mich ein bissel, wie in einem Western. Gähnende Leere auf der einzigen Straße mit den Läden, die teilweise aussehen, wie Saloon-Eingänge. Die Hitze zeichnet ein Flattern auf der Straße ab, ein paar Aborigines hängen an der Ecke rum. Tennent Creek ist laut Beschreibung einer der größeren Orte hier im Desert. Aber in real sieht das eher aus, wie eine Geisterstadt, mitten am Tag, nachmittags um vier. Mein Navi lenkt mich zu dem Backpacker, an dem außen was von Motel steht. Drinnen eine Frau mittleren Alters mit kurzen, dunklen Haaren und Brille. Die Rezeption sieht recht altmodisch, aber dennoch geordnet und sauber aus. Ich frage, ob ich hier richtig bin, in dem Backpacker aus meinem Reiseführer. Sie meint, das war mal. Bis vor 2,5 Jahren. Heute sind sie ein reines Motel. Aha- denke ich mir. Also aufgestiegen.

      Als sie mir sagt, dass ein Einzel 80 Dollar kostet, überlege ich kurz und habe plötzlich keine Lust mehr weiterzusuchen. Irgendwie war mir klar, wenn der Reiseführer das hier als Backpacker schon empfiehlt und  sie nun aufgestiegen sind, ist der Preis sicherlich ok. Außerdem ist es zu heiß, um weitere alte Motels abzuklappern. Ist wahrscheinlich sowieso eins wie das andere. Ich bezahle, erhalte die Schlüssel und fahre mit meinem CC um die Ecke in den Motelhof. Ich öffne das Zimmer und sehe in dem verdunkelten Raum ein Doppelbett und ein Einzelbett sowie weitere uralte Möbel. Aber es gibt eine Klimaanlage, die ich sogleich anwerfe. Sie funktioniert. Welch ein Glück denke ich mir und stelle sie auf eiskalt ein. Der Kühlschrank scheint auch zu funktionieren. Also wird jetzt der Supermarkt und dann der Bottleshop aufgesucht. Nach so einer Fahrt braucht Frau mal wieder ein kühles Bier. Der Supermarkt ist überraschender Weise gut bestückt und ich finde alles was ich brauche. An der Kasse fragt mich der junge Verkäufer: How do you do? how was your day?  Wie bitte?, frage ich. Er wiederholt das ganze nochmal und ich antworte: langweilig. bin nur gefahren. Was gibt es sonst anderes zu tun hier in der Gegend, als Autozufahren auf Kerzengeraden Straßen. Hier gibts ja nix. Was soll die Frage? Wie mein Tag war? Aber der Typ ist echt niedlich und ich erkläre ihm, dass ich genervt bin, von der Hitze und den Fliegen. Als ich rauskomme, fährt der Bottleshop nebenan gerade seine Rolläden runter. So ein Mist, denke ich mir. Auch das noch. Dann gehe ich wenigstens noch tanken. Hab schließlich einen Gutschein über 2 Cent pro Liter für die BP. Die ist am Ende der Straße. Wie gesagt, es gibt nur die eine Straße hier. Als ich dort ankomme, stelle ich fest, dass der Gutschein in dem “Motel”, das mal ein Backpacker war, liegt. Aber ich könnte vielleicht dort nach einem alternativen Bottleshop fragen. Der Typ in der BP sieht aus, als könne er verstehen, was ich will und erklärt mir auf total umständliche Weise, als ob es sich um mehrere Kilometer und mehrere Straßen handele, wo man hier als nächstes ein alkoholhaltiges Getränk erhalten könne. Ich verstehe nicht viel, nur irgendwas von “Jimmys” und irgendeinem Hotel. Alles zu umständlich, denke ich mir. Dann gibts eben kein Bier für die Diplomandin.

Black Saturday

Als ich in dem Motelzimmer ankomme, ist es gut gekühlt. Welch ein Trost. Wenigstens die Klimaanlage hält, was sie verspricht. Duschen ist auch prima. Dann probiere ich mal den Kirschsaft aus dem Supermarkt. Schön kühl und lecker. Als ich den Fernseher einschalte wird gerade die Dokumentation “Black Saturday” angekündigt. Das war das Bushfeuer, das sich genau vor einem Jahr durch ganz Victoria bis nach Queensland hoch zog. Das muss wirklich heftig gewesen sein, damals. Junge Leute retten sich in das Haus des Nachbarn, weil es das einzige in dem Ort ist, das sie kennen, das aus Stein gebaut ist und dann verbrennen sie zusammen mit den Enkeln des Besitzers darin, während dieser mit seiner Frau unterwegs ist, um noch andere Leute in sein Haus zu holen. 3000 Menschen sind bei dem Feuer umgekommen, meistens weil sie ihre Häuser retten wollten. Welch eine Tragödie. Aber hier werden so gut wie alle Häuser in Holzständertechnik hochgezogen. Das ist günstig und geht schnell. Meist ohne Keller. Manche haben einen Bunker, aber nur die, die es sich leisten können. Bei den vielen Unwettern, würde ich mir einen solchen wahrscheinlich als erstes bauen.  Dann lieber einen solchen Rettungsbunker und einen Wohnwagen oben drauf, als ein riesengroßes Haus, das beim nächsten Tornado zusammenfällt, wie ein Kartenhaus. Aber ich hab keine Ahnung, wie es sich hier lebt.

Sleepless in Tennent Creek

Nach der eindrucksvollen Doku versuche ich zu schlafen. Blöderweise ist die Klimaanlage höllisch laut. Also schalte ich sie ab. Jetzt höre ich nur noch die Klimaanlage vom Nachbarn und den Kühlschrank, der auf Hochtouren zu laufen scheint. Als ich den runter stellen möchte, sehe ich, dass der Einstellknopf fehlt. Zange habe ich keine dabei. Also gibt es nur die Möglichkeit den Strom vom Kühlschrank abzuziehen oder laufen zu lassen. Die Milch ist erst einen Tag alt und ein paar andere Lebensmittel brauchen auch Kühlung. Also lasse ich den Kühlschrank laufen. Nach einer weiteren Stunde etwa hat der Nachbar auch seine Klimaanlage ausgeschaltet. Prima denke ich und versuche zu schlafen. Geht nicht, ist der nächste Gedanke. Irgendwas juckt mich da. Eine Bettwanze, etwa? Vielleicht nur Einbildung. Es einfach zu heiß und zu laut. So ein Mist. Ab und zu drängt sich der Gedanke auf, ins Auto auszuweichen. Aber irgendwann schlafe ich dann doch ein, mit dem Gedanken: “Sch.. Nacht und absolut zu teuer”.

20100208_TC 001 Am nächsten Morgen braue ich mir einen Kaffee mit den Utensilien vom Motel zusammen. Schmeckt wie .., spucke ich die Brühe gleich wieder aus und beschließe das Frühstück mal ausfallen zu lassen. Bei Tageslicht sieht auch alles ganz anders aus. Auch das Waschbecken. Insgesamt kann ich für dieses Motel keine Werbung machen. Denn es war zwar nicht schmutzig, aber es war absolut veraltet. Beinah so, als ob die Besitzer seit der Erbauung, vor etwa 50 Jahren, nichts mehr weder am Gebäude, noch an dem Möbeln, noch an der Bettwäsche renoviert, saniert oder erneuert hätten. Man spart eben wo man kann und solange so dumme Touris vorbeikommen, die dafür soviel Geld hinblättern, wieso dann etwas investieren. Und jetzt als Motel, muss man nur noch eine Person pro Zimmer abkassieren und ertragen, als vier verschiedene Personen. Wenigstens waren keine Kakerlaken oder andere Insekten im Zimmer, glaube ich zu mindestens.

Genug gemeckert. Weiter geht die Fahrt.

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