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Von Coober Pedy nach Alice Springs
Februar 3rd, 2010 by DieDiplomandin

Zwei Betthupferl in Coober Pedy

20100202_CooberPedy 093 Vor Begeisterung von dieser ungewöhnlichen Herberge wußte ich nicht mehr was ich zuerst tun sollte. Sollte ich zuerst duschen, zuerst essen oder zuerst noch einkaufen. Zuletzt ging ich genau in dieser Reihenfolge vor, nur umgekehrt. Ich wollte sowieso nur frisches Brot, möglichst Baguette, da ich noch die “Aussie-Dips”, 4 Fertigdipps mit Paprika-, Hummus-, Tzatziki- und Onion-Dipp hatte. Das musste unbedingt weg, da es nur im Kühlschrank wirklich lange haltbar war und je weiter ich ins Landesinnere fuhr, umso wärmer wurde es. Also brauchte ich Brot. Ansonsten stand die Überlegung im Raum, wie es mit ein wenig Whiskey für die vielen Cokes wäre. Zufälligerweise war neben dem Supermarkt (es gibt zwei in Coober Pedy) auch ein Liquer-Shop. Man kann hier Alkoholika nur in separaten Liquer-Shops kaufen. Dort gab es eine große Auswahl, nicht nur an Whiskey-Sorten. Aber für das Cola wählte ich Jim Bean. Danach gings mit den Einkäufen ins Grufti-Zimmer, essen und anschließend duschen. Und dann folgte der gemütliche Teil. Zu einem Glas Whiskey-Cola schrieb ich meine Blogartikel fertig und ging an die Erdoberfläche, um sie ins Internet zu schicken.  Nach getaner Arbeit tauchte ich wieder in mein unterirdisches Zimmer ab und packte erst mal in Ruhe aus. Als alle Sachen verstreut in der Gegend rum lagen, wurde ich müde und wollte schlafen gehen. Da bemerkte ich erst, dass es in dem Raum nur eine einzige Lichtquelle gab, nämlich die über meinem Bett. Und der Schalter dazu war direkt neben der Tür angebracht. Prima, dachte ich. Jetzt muss ich schon wieder hoch, um dieTaschenlampe zu holen. Denn was soll ich machen, wenn ich nachts wegen irgendwas mal wach werde. Da unten ist es stockfinster, wenn das Licht aus ist. Auch tagsüber. 20100203_CooberPedyAliceSprings 001Also wieder hochgefetzt, Lampe geholt und wieder ins Zimmer. Die Dorm-Schläfer waren wohl alle schon am schlafen. Man hörte aus den offenen Nischen jedenfalls keinen Mucks mehr und es brannte dort auch kein Licht mehr. Als ich wieder im Zimmer war, dachte ich, ich könnte ja mal mit der Taschenlampe in die Ritzen leuchten, obs da denn vielleicht ein paar Insekten gäbe. Aber soweit kam ich nicht. Denn als ich meine Tasche beiseite schob, kreuchte da bereits ein größeres schwarzes Tierchen, das die äußerliche Form eines Skorpions oder Spinne hatte. Danach folgte eine Jagd sondergleichen. Könnt ich hier nun beschreiben, aber manche mögen das nicht gerne lesen. Also lass ich es lieber. Aber dieses Insekt konnte sich nicht nur super flach machen, es konnte auch ganz schön hoch hüpfen. Wäre es grün und feinadrig gewesen, hätte ich sofort auf Grashüpfer getippt, aber es sah doch mehr aus, wie die eine große Spinne in der Mitte des Posters, das draußen im Flur hing.  Als die Jagd zu Ende war, war ich nicht unbedingt beruhigt. Denn wo eins ist, können noch viele andere sitzen. Für einen tieferen Schlaf, mixte ich mir daher nochmal einen Cola-Whiskey. Kurz darauf schlief auch ein, trotz der lärmende Belüftungsanlage über mir. Mittendrin schreckte ich wegen einer Art Alptraum auf, in dem mir das Vieh im Großformat erschien.  Gegen halb sieben war ich froh, dass die Nacht rum war und ich endlich weiter fahren konnte. Ein schnelles Frühstück mit dem restlichen Baguette und einem Kaffee ohne Milch war schnell gemacht, die Sachen alle wieder im CC verstaut und los gings.

Tom’s Miene und sein Beetle

20100203_CooberPedyAliceSprings 00620100203_CooberPedyAliceSprings 007 Nach dem Tanken bog ich direkt auf den Highway ab, als der Eingang zu einer der Touristenattraktionen meine Aufmerksamkeit auf sich zog. Es war der Eingang zu einer Miene, zu einer Opal-Miene. Aber eigentlich hatte ich keine große Lust jetzt gerade eine Mienenführung, womöglich noch allein mit dem Guide, mitzumachen. Ich wollte doch endlich weiter, zum Ayers Rock. Aber dann entschied ich doch wenigstens mal rein zu schauen in die Shop-Gruft. Um die Uhrzeit, es war gerade mal zehn nach acht, war natürlich noch keiner da, um die Musteropal-Miene zu besichtigen. So lernte ich Tom kennen oder jedenfalls einen Typen, der in der Miene von Tom, den Kassierer, Guide und Juwelier zur gleichen Zeit darstellte. Tom, so nenne ich jetzt mal, war ca. Ende fünfzig oder vielleicht auch sechzig, hatte einen fünf-Tage-Bart, nur noch einen Schneidezahn, war gedrungen klein oder besser gesagt, untersetzt und total nett. Zunächst quatschten wir über die Miene. Das wäre eine Vorführmiene, in der nicht mehr abgebaut wird, aber sie ist doch sehr groß, dann fragte ich ihn, was das wohl für ein Insekt gewesen sein könne, das mir da die Nacht zuvor begegnet sei. Er tippte auf stinknormalen Grashüpfer. Ein Tierchen, das niemanden etwas tut. Aber es gäbe auch richtig große Grashüpfer. Er deutete mit seinen Händen einen Handball großen Durchmesser an. Und es gäbe da noch ein stechendes Insekt, das einen soo langen Stachel hat. Auch das zeigte er mir. ”Beautiful”, meinte er dazu noch. Aber er hätte daheim einen Bug, beziehungsweise einen Beetle, der Handteller groß sei. Und der würde ab und zu durch sein Wohnzimmer über den Teppich huschen. Der Beetle ist wohl mittlerweile so ne Art Haustier für ihn geworden. Mich gruselte das schon etwas. Daher lenkte ich ein und meinte, ich müsse jetzt los. Worauf er meinte, ich könne doch die Miene kurz anschauen. In 10 Minuten wäre ich durch, wenn ich allein gehen würde. Aber nach den Getier-Geschichten, war mir nicht so danach, allein durch die Miene zu latschen. Zumal es doch einige Quergänge gab. Ich war schon beinah am Ausgang, da ging er rüber zu einer Vitrine, stellte ein Päckchen darauf und begann seine Schmuckstücke auszupacken. Goldene und silberne Stücke mit Opalen, die in allen Farben funkelten. Die Preise reichten von 180.-AUD bis zum teuersten, was ich sah, 10.500.-AUD. Jedoch entsprechen Opale nicht meinem Geschmack und dann wollte ich auch endlich los. Seine Frau ist jedenfalls aus Kiel, kam bei dem Gespräch zuletzt auch noch zur Sprache und dieser rot-weiße Stein sei Sandstein.

Danach fuhr ich endlich los und sah noch kilometerlang am Wegesrand eine Menge an Opal-Mienenfelder, die wie große Maulwurfshügel herausragen.


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Scary Roadhouses

Nach ca. 250 Kilometern hinter Coober Pedy kommt Marla. Ein Ort, an dem man tanken, sich informieren und auch essen kann. Hört sich zunächst alles ganz normal an. Aber als ich dort abbog, sah das etwa so aus: Eine Tankstelle, durch die der Wind fegte, rechts daneben ein Post-Office mit einem Raum, in dem gerade mal ein Schreibtisch passt, dann eine Ecke weiter, an deren Längsseite zwei Telefonzellen standen (ob die wirklich funktionierten, bezweifel ich), danach öffentliche Toiletten, dann wieder eine Ecke und eine Längsseite, an der eine lange Schattenseite lag, in deren Schutz eine etwas sehr voluminöse Brünette saß, die sich gerade ihr Shirt zurecht rückte und die eine Brille im Sechziger-Jahre-Design trug, strähnige Haare mit Mittelscheitel zierten ihr Haupt, daneben 7 Typen, die alle ähnlich ausschauten, nämlich 5-7-Tagebart, verschwitzt, Shorts und Karohemden. Betretene Stille, als ich aus dem Wagen stieg. Man hörte nur den Wind wehen. Alle Blicke waren auf mich gerichtet, als wäre ich in dem Moment die Hauptdarstellerin in einem Theaterstück. “Hi” rief ich laut in die “gemütliche” Runde, was den Anwesenden teilweise sogar ein Lächeln ins Gesicht zauberte und vor allem die Stille unterbrach. “Hi”, kam zurück und ich konnte ungehindert und weniger beobachtet in die Toilette huschen. Zu schade, dass ich in dem Moment nicht meine Digi-Cam parat hatte. Die Situation war echt der Knüller. Wie im Film eben. Danach ging ich in das Restaurant, weil ich meinte, ich müsse noch einen Kaffee trinken und etwas essen. Dort saß ein Typ mit total zerzausten Haaren, sah aus, als wäre er entweder seit Tagen zu Fuß durch die Wüste gelaufen oder aus einer Irrenanstalt ausgebrochen. Jedenfalls versuchte ich mich möglichst unauffällig zu bewegen, um nicht seine Aufmerksamkeit auf mich zu lenken. Den Kaffee aus dem Billigautomaten für 4 Dollar nahm ich zwar, aber das Toast-Sandwich, das da eine mit groben Händen zusammen gefaltet hatte, war mir für 5 Dollar doch etwas zu teuer. Ich würgte den Kaffee hinunter und ging noch tanken. Da fielen mir die Augen beinah raus, denn hier war der Preis nochmals um 20 Cent gestiegen seit Coober Pedy. 20 Dollar waren daher recht schnell getankt und ich machte wieder die Flitze. Man wird hier mit den Leuten irgendwie nicht wirklich warm… :o)

Bei der nächsten Raststätte tankte ich nur schnell, wobei der Preis nochmals um ein Paar Cent höher lag, als bei der letzten Tanke. Ich tankte nur für 100km und 1 Liter Reserve, also 8 Liter. Dann fuhr ich weiter, obwohl die Tankstelle mit dem darin liegenden Pub wirklich bemerkenswert nett aussah. Sogar der Typ hinter der Kasse sah aus, wie auswendig gelernt. So nach dem Motto: “ich habe hier auch einen tollen Pub”. Aber ich fuhr weiter. Irgendwo 200 Kilometer vor Alice Springs hielt ich nochmal, wo ich wirklich leckere Chips, manuell geschnittene Pommes bekam. Die konnte ich mit meinen restlichen Dips futtern, so dass damit auch das Hungerproblem vorübergehend gelöst war.

Schlafplatzsuche bei über 35 Grad

20100203_CooberPedyAliceSprings 032 Die 200 Kilometer fuhr ich schon etwas ungeduldiger, bis ich endlich in Alice Springs ankam.  Die Temperaturen waren mittlerweile extrem gestiegen. Wo es gestern in Coober Pedy gerade mal 25 Grad waren, waren es hier in Alice Springs 37 Grad. Mir lief die Brühe runter, als ich ins Info-Center ging, um nach Accomodations in town zu fragen. Das erste Hotel, das mir empfohlen wurde, war eine Art Backpacker. Also günstig. Das Einzel-Zimmer lag bei 75 Dollar. Ich durfte es sogar anschauen, war aber alles andere als begeistert. Das Bett fühlte sich an, als ob da tausende, oder eher Milliarden von Milben wohnten, der Kühlschrank sah mich an, als ob er sagen wollte: heute nacht bin ich derjenige, der hier das sagen hat und überhaupt war das alles extrem schmuddelig. Danach folgte eine Prozedur der Zimmersuche, wie ich es in den letzten beiden Monaten noch nie betrieben hatte. Aber ich hatte weder Lust auf uralte, durchgelegene Matratzen für 90 Dollar die Nacht oder maßlos überteuerte Hotelzimmer, die ab 150 Dollar los gingen. Sogar meine bevorzugte Kette hatte hier nur ein absolut mieses, überhitztes Dreibettzimmer für 125 Dollar die Nacht anzubieten. Da half auch das Wedeln mit der Kundenkarte nichts mehr. Um sieben Uhr abends war ich beinah am kapitulieren. Von den insgesamt 12 Zimmern, die ich mir angeschaut hatte, bot das Stockbett in dem Dorm-Zimmer der lokalen Jugendherberge von Alice Springs für 26 Dollar die Nacht das beste Preis-Leistungsverhältnis. Aber ich hatte mir doch so sehr ein schönes Zimmer gewünscht, eines mit weißen, frischen Bettlacken und weißen Badetüchern, einer tollen Dusche, mit leise surrender Klimaanlage und möglichst ohne Dreck unterm Bett. Aber es schien einfach nicht der Tag dafür zu sein. Als ich das Resort sah, dachte ich nur, das geht sicherlich nur mit Vorreservierung über so Kataloge, wie Neckermann-Reisen. Aber bevor ich zur Juhe fahre, probiere ich es mal. Und siehe da: Es war genau das Zimmer, wie ich es mir vorgestellt hatte. Geräumig, Mit allem Drum und Dran. Das Resort selbst bietet alles was man im Urlaub braucht. Einen beschützten Parkplatz, eine schöne Pool-area, ein Restaurant mit Sterne-Charakter, usw. Und das beste ist der Preis. Für 109.-AUD pro Nacht ist es sogar günstiger, als ich bereit war auszugeben. Und nun liege ich hier auf einem Superbett mit Boxspring-Matratzen in weißen Lacken und genieße diesen Raum. Bin ich froh, dass ich nicht das erste Zimmer genommen hab. Allerdings gibt es auch hier in der Anlage die großen Insekten. Einen der Riesengrashüpfer habe ich schon gesehen. Trotzdem ist es hier wirklich klasse, weil man hier an einfach alles gedacht hat, wie im Bild zu sehen ist. Eventuell verlängere ich. Aber erst Mal die erste Nacht erleben und dann mal sehen.

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