SIDEBAR
»
S
I
D
E
B
A
R
«
Abgestürzt
Januar 13th, 2010 by DieDiplomandin

20100113_AucklandHamiltonOrothanga 001

20100113_AucklandHamiltonOrothanga 004

20100113_AucklandHamiltonOrothanga 005

Wie es ist, wenn einem plötzlich der Geldhahn abgedreht wird, durfte ich die letzten Tagen am eigenen Leib erfahren. Für meine Reise habe ich mich mit zwei Kreditkarten von verschiedene Banken ausgestattet. Und zufälligerweise hat die eine Bank mir das Limit für die eine Kreditkarte mit Beginn des Jahres 2010 unbemerkt auf 500.-Euro herab gesetzt, so dass ich diese Karte nicht mehr benutzen konnte, weil ich das Limit bereits überschritten hatte und die andere Kreditkarte wurde von der anderen Bank etwa zeitgleich gesperrt, wegen auffälliger Buchungen.

Ist ja schön, wenn sich die Banken so sorgen, aber hätte man das vielleicht nicht vorher mal ankündigen können oder mir wenigstens eine mail schicken können, um mich darauf aufmerksam zu machen?  Denn so bekam ich weder Bargeld, noch konnte ich irgendwas mit einer der Karten bezahlen. Diesen Zustand bemerkte ich dummerweise erst, als das mit dem Knöchel passierte und ich mir eine Geldreserve holen wollte, falls ich doch noch zum Doktor muss. Außerdem hatte ich zu dem Zeitpunkt gerade nur noch 15.-Neuseelanddollar in der Tasche. Bisher war das Geld kein Problem, denn Vorräte habe ich immer genug, so dass ich mich nur um die Campingplatzgebühren und Sprit kümmern muss. Daher wären die 15.-Dollar auf dem schönen Meerblick-Camping kein Problem gewesen, aber da ich wegen der Verletzung eine Dusche brauchte und Strom, sowie Internet-Zugang fiel mir das mit den beiden Karten erst auf. Und da war es bereits zu spät. Was tun, also? Erste Reaktion war bei mir Panik. Wie komme ich schnellstmöglich an Geld?


Wie gut, dass die Libraries hier auf Neuseeland kostenfreies Internet anbieten. Denn so konnte ich mit meiner Bank und meinen Angehörigen in Deutschland erst einmal Kontakt aufnehmen. Danach war mir aber auch klar, dass das alles nicht adhoc wieder in Ordnung kommen würde. Daher musste unbedingt noch ein anderer Plan her, wie ich die Tage bis dahin überstehe, ohne dass ich mir auf teurem Wege Geld beschaffe. Wäre beispielsweise über eine Ersatz-Visacard gegangen. Aber das kostet alles Geld und ich wollte nicht unnötigerweise Geld ausgeben. Zumal in beiden Fällen, ich keine Schuld an dem Dilemma hatte. Also machte ich Kassensturz, um erst mal ganz genau festzustellen, was an Mitteln da war. Und siehe da, es gab da noch einige deutsche Euros und sogar noch über 200 amerikanische Dollar, die mir meine Mutter noch kurz vor der Reise zugesteckt hatte. Mit einem mulmigen Gefühl im Bauch ging ich damit in eine Bank und fragte nach wie viel ich für 100 USD bekommen würde. 128.- neuseeländische Dollar, meinte die Bankerin nach einigem Rechnen. Das war mehr als ich brauchte und ich ging den Deal ein.

Damit hatte ich also wieder etwas Bargeld. Meine Tankanzeige zeigte dreiviertel voll an. Das war auch nicht so schlecht und ich überlegte, dass ich am besten in Richtung Auckland fahre, wo ich den Camper in einer Woche abgeben muss. Eventuell übernachte ich dann in Auckland auf dem Camping im Ambury-Park, wo der Campingplatz damals nur 10.- Dollar pro Tag kostete. Da könnte ich sicherlich auch noch handeln. Ist zwar nicht der ideale Urlaubsausklang, aber besser als nichts. Gesagt,getan. Ich fuhr los und kam bis zur Stadtgrenze, als die Müdigkeit mich überfiel und gleichzeitig ein heftiger Wolkenbruch sich über mir ergoss. Da sah ich einen Campingplatz am Stadtrand und fuhr den direkt an. Witziger weise hatten die genau an dem Tag die Preise gesenkt, da die Schulferien vorbei waren, so dass dort ein Platz gerade mal nur 12,50Nzd kostete. Also ca. 6Euro. Mit Strom sogar. Das war super und die beste Zwischenlösung. Am nächsten morgen war ich ausgeschlafen und fit. Ich fuhr wieder zurück zu der Library, um die Kontodetails nochmals zu prüfen. Die eine Bank hatte es tatsächlich über Nacht wieder hinbekommen, die Kartensperre aufzuheben. So dass ich mit der Karte nun auch wieder bezahlen konnte. Allerdings lag das Limit von der anderen Kreditkarte immer noch bei 500.-, so dass ich damit also noch kein Bargeld abheben konnte. Mir war mittlerweile sowieso meine Urlaubsstimmung ziemlich genommen und ich hatte auch nicht mehr den Mumm wieder zurück an die tolle Küste zu fahren. Zumal mein Knöchel immer noch ordentlich dick war. Da war der Plan nach Auckland zu fahren, immer noch der einfachere und auch der, der sich für mich am besten anfühlte. Gesagt, getan. Als ich beim Ambury-Park ankam, war es schon dunkel und der Park war komplett verriegelt. Auch das noch, dachte ich. Und nun? In ein Motel wollte ich nicht. Das wäre auch rausgeworfenes Geld, wenn ich schon den Camper bezahlt habe. Ich versuchte einen anderen Campingplatz zu finden. Fuhr Ewigkeiten in der Stadt herum, verirrte mich im Hafenviertel, war dann plötzlich wieder am Flughafen, usw. Irgendwann war es schon halb zwölf und ich überlegte, was jetzt sinnvoll wäre. In ein Motel jetzt zu gehen, wäre vielleicht sinnvoll, aber nicht wirtschaftlich. Da die Nacht schon lange angebrochen war und sowieso.

Und so kam es dann, dass ich zu einer Dumpstation gefahren bin und dort die Nacht verbracht habe. Die Dumpstation sind Stationen, wo die Wohnmobile ihre Toiletten entleeren können. Bei den meisten Dumpstations kann man auch campieren, so wie bei der. Die Dumpstation lag direkt an einem Rangierbahnhof, an dem die ganze Nacht Waggons herum geschoben wurden. Das machte zwar Lärm, aber ich fühlte mich wenigstens nicht so einsam. Am nächsten Morgen, als ich aufwachte hatte ich Hunger und genehmigte mir für 5.- Nzd dieses Pancake-Frühstück. Der Kaffee schmeckte sogar richtig gut. Aber im Ganzen fühlte ich mich schrecklich. Kaum geschlafen, ungeduscht und dann noch diese Unsicherheit, ob ich nun bald wieder Geld haben werde oder nicht.

Mittlerweile ist alles wieder im Lot, aber mein Urlaub hat einen kleinen Knacks bekommen. Die Banken machen was sie wollen. Da nützt auch ein langjähriges Gehaltskonto nichts. Das war, meiner Meinung nach, jedenfalls total überflüssig.

weiterführende Artikel zu diesem Thema:

Flattr this!


One Response  
  • Gunar writes:
    Januar 24th, 2013 at 16:32

    Ja leider werden solche Aktionen insbesondere von Direktbanken ohne Ankündigung vollzogen.
    Jetzt wird auch noch bei vielen Banken die EC-Karte mit einer V Pay-Karte ersetzt. Somit entfällt auch diese Notfalllösung, da diese bisher nur von wenigen Ländern akzeptiert wird und im nichteuropäischen Ausland gar nicht funktioniert.

    Viele Grüße


Leave a Reply


XHTML: You can use these tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>




»  Substance:WordPress   »  Style:Ahren Ahimsa
© Die Diplomandin