SIDEBAR
»
S
I
D
E
B
A
R
«
Der Strand
Januar 9th, 2010 by DieDiplomandin

Am nächsten Morgen war ich richtig fit und voller Tatendrang. Daher fuhr ich gleich nach dem Frühstück weiter. Schließlich wollte ich endlich ins Warme. In Napier war es zwar warm und der Campingplatz war auch nicht schlecht, aber das eben nicht das Optimum. Es sollte richtig warm sein und der Strand sollte hell und feinsandig sein.

Mahia Beach

Nach über 100 Kilometern wurde ich ungeduldig und fuhr direkt dem Schild in Richtung Mahia Beach hinterher, in der Hoffnung, dass dort der Strand sein möge, den ich schon so lange vermisst habe. Als ich dort ankam, fand ich auch einen tollen Strand, nur war da gerade eine riesen Aktion los. Irgendeine Veranstaltung von der hiesigen Schule dort. Keine Ahnung, auf jeden Fall viel zu viel Rummel. Es gab einen Campingplatz, der allerdings ziemlich voll aussah. Der Strand war zwar klasse und entsprach ganz meinen Vorstellungen, aber das Drum Herum absolut nicht. Also bereute ich kurz diesen 12 Kilometer Abstecher und fuhr wieder zurück auf die SH2 und dort weiter in Richtung Gisborne.

20100110_Gisborn 001

20100110_Gisborn 002 20100110_Gisborn 004

Schon wieder Gisborne

In Gisborne war ich schon mal. Da hat mir der Campingplatz so gar nicht gefallen. Außerdem war es zu dem Zeitpunkt noch kalt. Aber als ich heute hier ankam, war es heiß. Als erstes fuhr ich zum i-Site, um mich dort nach DOC-Campingplätzen zu erkundigen. Die gute Frau fand meine Frage danach irgendwie nicht so gut und meinte dazu, dass diese Plätze außerhalb der Stadt liegen würden und sie könne mir nur die Campingplätze zeigen, die in der Stadt liegen. Die Library hatte zu und sollte auch morgen noch zu haben, da diese Library im Gegensatz zu anderen Sonntags geschlossen hat. Also war auch dieser Umweg durch die Stadt umsonst gewesen.

Da ich mir am Vorabend in Napier auf dem Campingplatz mein Fleisch in einer selbstgemachten Gyrosmarinade eingelegt hatte, fehlte mir noch das Tsatsiki dazu. Wenigstens das wollte ich noch kaufen. Was ich dann auch erledigte. Beinahe wäre ich noch in den Burger King nebendran rein, aber ich wollte mir am Abend unbedingt das Gyros machen. Also hielt ich mich zurück und fuhr weiter. Kurz nachdem ich aus der Stadt draußen war, gab es zwei Wege: ein Weg führte direkt durchs Land nach Opotiki bzw. Ohope, wo ich bereits schon mal war und auf einem Top10-Campingplatz übernachtet hatte und dort einen super Strandplatz hatte, und der andere Weg führte auch nach Opotiki, allerdings an Meer entlang durch kleine Ortschaften. Auf meiner Kiwi-Campingplatz-Karte war an dem Weg kein einziger Campingplatz eingezeichnet. Zudem wäre dieser Weg knapp 100 Kilometer weiter bis Ohope. Ich überlegte und wägte ab. Dann schaute ich in der PDF-Datei vom D.O.C. nach, ob die dort Campingplätze anboten. War aber keiner dabei. Dann schlug ich in dem Reiseführer nach, der mir übrigens bisher nicht wirklich was gebracht hatte. Aber auch hier stand nichts von Campingplätzen, außer einem Holiday Park in Tolaga Bay. Aber instinktiv entschied ich mich trotzdem für den längeren, am Meer entlang führenden Weg. Denn ich sagte mir, den anderen Weg kenne ich bereits schon. Und wer weiß, vielleicht ist dieser Umweg heute mal der richtige. Und wenn es dann schon wieder ein Umweg zu viel war, dann habe ich wenigstens nichts verpasst. Alle guten Dinge sind schließlich drei. Und ich fuhr in Richtung Te Araroa auf der Küstenstraße.

Irgendwo zwischen Tolaga Bay und Tokomara Bay

Nur nach wenigen Kilometern hinter Tolaga Bay begannen meine Äuglein vor Entzücken zu funkeln, denn ich sah, was ich zu sehen gewünscht hatte. Einen Strand, feinsandig, hell, ewig lang und einige Camper direkt am Beach. Und das Beste, kein offizieller Campingplatz in Sicht. Ich fuhr noch ein paar Kurven weiter und sah wieder dasselbe Bild. Toller Strand und Camper, aber kein Campingplatz. Auf den bog ich dann auch ab und hatte prompt den tollsten Platz, den ich bisher in meinem Neuseeland–Urlaub hatte. Eine Toilette gabs auch, so dass ich nicht in “the bushes “ gehen musste. Das nächste Verlangen, das ich hatte, war endlich das Gyros zu brutzeln und endlich was zu essen. Es war schließlich schon später Nachmittag. Also setzte ich als erstes den Reis auf und deckte schon mal den Tisch.


20100110_Gisborn 005

20100110_Gisborn 006

20100110_Gisborn 008

Freedom Camping

Nach dem ausgiebigen Mahl inspizierte ich die nähere Umgebung und entdeckte das Schild zum Thema “Freedom Camping” an der Rückwand der Toiletten, die im übrigen extrem großzügig geschnitten waren. Und vielleicht zwei Stunden später, stand ein einzahniger Mann, er hatte wirklich nur einen Schneidezahn in seinem Mund, vor meinem Camper und klopfte an die Scheibe. Zunächst bin ich natürlich erschrocken. Was will denn der von mir. Er trug eine Warnweste, hatte zerzauste Haare  und sah auch sonst recht ungepflegt aus. Wenn der Typ in Nacht bei mir angeklopft hätte, hätte ich ihn mit meinem Raid-Insektenspray niedergesprüht. Wie gut, dass ich die Tür schon verschlossen hatte, dachte ich mir. Aber er rief irgendwas und deutete auf ein Formular. Da fiel mir wieder das Schild von der Toilette ein und mir fiel auch ein, dass ich ein Schiebefenster an meiner Schiebetür habe, so dass ich nicht gleich die ganze Tür öffnen muss. Als ich mein Fenster öffnete, kam ich mir ein wenig vor, wie in einem Zollhäuschen und musste da schon mal lachen. Der Typ faselte gleich los, zeigte ständig auf ein Formular und warf mir dabei seine intensive Tabak-Fahne entgegen. Er fragte, ob ich vor hätte, an dieser Stelle zu übernachten. Was ich bejahte. Dann meinte er, ich solle meinen Namen und meine Adresse auf dem Formular ausfüllen und es unterschreiben. Danach verlangte er 10 Dollar von mir und schaute dabei etwas unbeholfen drein, also so wie ein Fragezeichen. Ich dachte mir, dass auch 10 Dollar nicht viel sind und dass ich das schon mal spendieren könne, wenn es für einen guten Zweck ist. Als ich ihm das Geld gab, meinte er ganz aufgeregt, dass es für 2 Personen und für 2 Nächte wäre und dass ich noch zwei blaue Mülltüten dafür bekommen würde. Und – Moment. Da huschte er weg und war gleich wieder da – eine Broschüre über das Projekt “Freedom Camping”, das übrigens von dem District Council von Gisborne organisiert wird und für die ganze Küste gilt beziehungsweise für alle neun Regionen. Dann betonte er noch, dass das mit dem Müll eine tolle Sache wäre, denn ich könne die Tüte einfach vor meinem Camper liegen lassen und sie wird dann abgeholt. Wow – welch Service. Als er weg war, las ich mir die Broschüre durch. Demnach hat sich die Ecke von Neuseeland vom D.O.C abgehoben und Freedom Camping gegründet. Es sind allerdings generell Plätze ohne sanitäre Einrichtungen, wie Duschen oder eigenen Toiletten. Die Plätze sind immer zugänglich, werden also auch nicht bewacht und sie sind nicht organisiert. Im Prinzip, so wie ich mir das gewünscht habe. Und 10 Dollar, also 5.-Euro für 2 Nächte, ist vollkommen ok. Man kann auch 10 Nächte buchen, was dann 25 Dollar kostet oder gleich 28 Nächte, das Maximum, für 60 Dollar. Man erwirbt mit der Gebühr eine Camping-Erlaubnis, die, so wie bei mir auf jedem Platz gilt. D.h., ich könnte die eine Nacht hier bleiben und morgen weiter fahren und woanders anhalten.

20100110_Gisborn 014

20100110_Gisborn 018 20100110_Gisborn 016

Kurz nachdem er weg war, bekam ich noch Nachbarn, die sich direkt hinter mir aufstellten. Was mir dann doch sehr angenehm war, denn so war ich nicht das Schlusslicht in dieser Reihe. Kinder spielten noch lange am Strand, so wie die beiden Jungs mit ihrem Drachen am Angelhaken. Irgendwie konnte ich es überhaupt nicht abwarten, dass es endlich dunkel wurde. Aufregend war das alles schon für mich. Aber es war auch so genial, direkt am Meer zu pennen, das Rauschen zu hören und das Beste war: es war nicht mal kalt.

weiterführende Artikel zu diesem Thema:

Flattr this!


Leave a Reply


XHTML: You can use these tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>




»  Substance:WordPress   »  Style:Ahren Ahimsa
© Die Diplomandin