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DOC und der ADAC, meine Rettung
Dezember 19th, 2009 by DieDiplomandin

Die Mautstation oder: Kann man von Wasabi sterben?

Nach kurzer Überlegung, ob ich auf dem Campingplatz in Athenree noch eine Nacht bleiben sollte oder nicht, entschied ich mich dagegen, da ich unbedingt noch den Nordzipfel von Neuseeland entdecken wollte. Zielstrebig fuhr ich also weiter auf dem Highway Nr.2, dann auf die Autobahn durch Auckland durch, bis zu einem Service Center, so werden hier die Raststätten genannt, bei dem man unter anderem die Maut für das nächste Stück Autobahn bezahlen konnte. Generell gibt es auf Neuseeland keine Mautpflicht, aber bei einigen Autobahnabschnitten mittlerweile wohl doch. Da es hier nur 2 NZD pro Befahrung kostete, also 1 Euro, wollte ich keinen Umweg fahren. An der Raststätte gab es auch verschiedene Restaurants, zum  Beispiel das “Wild Bean Cafe”. Diese Kette hatte ich schon öfters gesehen, aber noch nie probiert. Aber heute hatte ich mal wieder Lust auf einen guten Kaffee. Im Angebot gab es auch noch sogenannte “Combos”. Ich wählte die Kombination mit einem Cafe Latte und einem sechser Sushi-Pack für 7,50 NZD, also weniger als 4.-Euro. Der Kaffee war lecker cremig und das Sushi – mmmh. Vor allem das Wasabi dazu. Ich überlegte kurz, ob man an Wasabi sterben könnte, weil das einfach so höllenscharf war, aber mindestens genauso höllengut. Da ich daran nicht gestorben bin, ging ich zum Mautterminal und startete den Mautdialog.

Bei dem Dialog werden Dinge abgefragt, wie oft man die Strecke befahren möchte und welches Kennzeichen das KFZ hat, mit dem man die Strecke befährt. Über eine Touchscreen-Tastatur kann man das Kennzeichen eingeben. Dann wählt man noch die Bezahlart, Cash oder Kreditkarte. Wenn man bezahlt hat, erhält man eine Quittung, auf der die über das Kennzeichen ermittelten Daten zum KFZ aufgedruckt sind und wie oft man die Strecke damit fahren darf. Also Typ des Wagens, Baujahr, etc. Ja, alle Daten, die die Polizei so gespeichert hat. “Big Brother is watching you” eben. Aber das wars dann auch schon.

Es regnete ein wenig, als ich immer nördlicher kam. Kurz vor Whangarei, das ich anstrebte, kam ich durch ein Örtchen mit dem schönen Namen Waipu. Und weil mir die i-Sites bisher immer wirklich interessante Infos mitgegeben haben, stoppte ich auch hier kurz. Allerdings war dieses i-Site nicht bemannt, sondern nur im Vorraum anhand eines Prospekte-Ständers realisiert. Im Innern des Gebäudes war ein Museum, auf das ich aber keine Lust hatte. Von den Prospekten interessierte mich einer vom DOC, department of conversation, am meisten. Allerdings stand ein Preis drauf, daher ging ich in das Museum, um es dort zu bezahlen. Dort fragte ich dann gleich, ob man mir auch einen vom DOC-geführten Campingplatz in der Nähe empfehlen konnte. Zufälligerweise hörte das ein Typ und der empfahl mir dann das nahe gelegene “Uretiti Camp”.

Uretiti Camp

20091219_Waihi 026 Die Campingplätze vom DOC liegen abseits von allem Trubel, eingebunden in die Natur. Genauso sind sie eher naturbelassen, als künstlich erschaffen. Es wird sehr stark darauf geachtet, dass die Campingplatzbesucher die Natur nicht verunreinigen. Es gibt auch keine vorgegebenen Standplätze. Jeder stellt sich dahin, wo es ihm am besten gefällt. Da die Plätze außer Toiletten, meist Plumpsklos, und kalte Duschen hinter einfachen Bretterzäunen, anbieten, sind sie auch nicht besonders teuer. Das Uretiti Camp kostete mich 7 NZD, also 3,50 Euro für eine Nacht. Dafür war der Campingplatz insgesamt von Miniameisen bevölkert und sehr hügelig. Erst nach dreimaligen Platzwechsel fand ich endlich einen relativ ebenen und praktisch gelegenen Platz.

20091219_Waihi 032 20091219_Waihi 030 Als nächstes wurde der Strand inspiziert und da wurde ich doch sehr überrascht. Hinter der Düne tat sich schon wieder so ein Wahnsinnstrand auf, aber dieses Mal mit echter Badegelegenheit. Zunächst war ich noch etwas skeptisch, wegen der Qualle, die ich letztens fotografiert hatte, aber hier sah es nicht nach Quallen aus. Im Gegenteil, das Meer lag ruhig da und das Wasser war glasklar. Es war dann auch das bisher schönste Bad, das ich bisher auf dieser Reise genommen hatte. Das Wasser hatte die perfekte Temperatur.

Aber trotz der Ebbe war der beschwimmbare Bereich mit Bojen abgegrenzt. Also passte auch hier jemand auf, dass man nicht zu weit raus schwamm. Nach diesem erfrischenden Bad und einer anschließenden Naturdusche , machte ich es mir in meinem Camper gemütlich und schrieb den letzten Blogartikel fertig. Danach checkte ich, wie jeden Abend, alle Fenster und Türen des Campers, ob sie auch wirklich verschlossen sind. Gegen 23:00Uhr war ich müde, trank noch die mittlerweile obligatorisch gewordene Tasse Tee und ging schlafen.


Der verhängnisvolle Austritt

Irgendwann in der Nacht, musste ich dann kurz raus. Und wie es der Titel schon sagt: das war nicht gut. Schlaftrunken, wie ich war, dachte ich nicht daran den Autoschlüssel mitzunehmen. Irgendwie dachte ich, wenn ich die Schiebetür von innen öffne, wird das Schloss auch mit geöffnet. Aber das war wohl ein Trugschluss. Als ich zurückkam, musste ich das Unfassbare feststellen. Der Camper war zu! Mitten in der Nacht vor einem komplett verschlossenem Camper zu stehen, war … unmöglich, so was gibts nicht, kann nicht sein, oh –nein, … fassungslos.

Da stand ich nun – und überlegte, wen ich nun belästigen könnte und bei wem es auch Sinn machte. Meine direkten Nachbarn waren zwar ein nettes, junges Pärchen, mit denen ich am Abend noch kurz geplaudert hatte. Aber ob die im Autos knacken bewandert waren, bezweifelte ich. Die anderen Leute kannte ich nicht und es wäre mir noch unangenehmer gewesen, da jemand wildfremdes mitten in der Nacht zu stören. Da fiel mir ein, das am Eingang des Campingplatzes ein irregroßer und ewig langer Camper gestanden war. Der könnte vom DOC gewesen sein. Vielleicht wohnt da jemand, sowas wie ein Platzwart. Das war meine Hoffnung! Also stolperte ich in meinen weißen Tennissöckchen, die in Badelatschen steckten, Leggings und Frottee-Oberteil den dunklen Weg bis zum beschrankten Eingang des Campingplatzes, wo so gleich ein sensorgesteuertes grelles Licht anging. Das fand ich schon mal gut. Uff, Licht! Dann klopfte ich erst zaghaft, dann stärker an die Tür des Riesencampers. Irgendwann rührte sich jemand da drin und fragte von innen durch die Tür, was denn los sei. Verzweifelt erklärte ich dann im gebrochenen Englisch, was geschehen war. Der Typ, ein ca. 1,90 großer englisch-aussehender Glatzkopf-Bär kam heraus und blendete mich mit seiner Taschenlampe. Nochmals wiederholte ich alles und irgendwann glaubte er mir dann schließlich. Wir beide irrten dann zu meinem Camper, im Schein seiner Taschenlampe. Dort versuchte der Bär dann selbst alle Fenster und Türen zu bewegen, hatte aber genauso wie ich, kein Glück. Also gingen wir wieder zurück zum Eingang, während wir berieten, wen wir anrufen könnten. Die Rental-Company wird sicherlich um diese Zeit niemanden schicken, wenn mir “nur” die Tür zugefallen war. Wenn ein technischer Schaden vorliegen würde, dann vielleicht, aber so. Der Typ meinte, man könne einen Schlüsseldienst anrufen, aber heute am 20.Dezember, wäre das schon schwer und wahrscheinlich teuer. Da fiel mir der ADAC ein, dem ich wegen der Reisekrankenversicherung noch kurz vor Reisebeginn beigetreten war. Ja, das gibt es auch in Neuseeland, meinte der Bär. Das nennt sich hier einfach “AA”. Das wäre eine Möglichkeit. Er rief dort auch sofort an. Nach einigen Malen Hörer hin und her reichen, durchgeben meiner Personalien und der Daten des Campers, wie gut dass ich die Autonummer noch von der Mautzahlstelle im Kopf hatte, hieß es am Ende wohl, dass in 10-15 Minuten jemand kommen würde. Es würde aber so ca. 95.-NZD kosten, die ich mit der Kreditkarte bezahlen könne. Der Bär gab mir eine Taschenlampe und befahl mir bei meinem Camper zu warten: “go to your camper and wait there!”.

Es war kalt, wie jede Nacht, und draußen war es noch kälter. Aber immerhin hatte ich eine Lampe. Als ich so vor dem Camper im Dunkeln stand, fiel mir auf, dass es überhaupt nicht so dunkel war. Ich schaute hoch zu diesem Wahnsinns Sternenzelt, als genau in dem Moment eine Sternschnuppe quer darüber flog. Natürlich war klar, was ich mir wünschte. Während ich da so wartete und mich immer wieder selber wärmte, schaute ich mir dieses endlosen Sternenhimmel an, der über mir lag, wie ein Schirm. Die Sterne schienen wirklich bis hinunter zum Horizont zu gehen. Die Milchstraße, der Milkyway, war so klar und deutlich zu erkennen, und zig Sternenbilder. Mir kam die Warterei aufgrund der Kälte wie eine Ewigkeit vor, aber dennoch war es schön so in die Sterne zu schauen. Irgendwann flog noch eine Sternschnuppe, bei der ich mir dieses Mal wünschte, dass so schnell wie möglich endlich der Typ vom ADAC kommen möge. Es dauerte dann noch ungefähr eine Viertelstunde und es kam jemand. Ich sah von meiner Position aus, wie zwei grelle Lichter am Eingang des Campingplatzes anhielten, dann hörte ich wie eine Art schwergewichtiger Sattelschlepper anrollte. Oh-mein Gott, dachte ich, da kommt jetzt auch noch ein Abschleppwagen. Und tatsächlich rollte da ein richtiger Abschleppwagen mit Getöse und Geklepper an. Heraus sprang dafür ein umso kleinerer Typ, schnappte sich zwei Bretter aus seinem Fahrzeug, damit er den Türrahmen von meinem Camper erreichen konnte und setzte einen Miniblasebalg an dem Rahmen an, so dass dieser aufgedrückt wurde. Dann versuchte er mit einem langen Draht den Türknopf zu betätigen. Nachdem ihm dieses nicht gelang, versuchte er die Fensterkurbel zu betätigen, was ihm auch nicht gelang. Dasselbe Spiel versuchte er an der anderen Tür. Zuletzt versuchte er dies an der zugefallenen Schiebetür, wo es ihm dann endlich gelang das Fenster auf diese Weise zu öffnen. Ich griff dann nur noch nach innen und fand auch gleich meinen Schlüssel. Uff – geschafft.

Der kleine Mann nahm dann meine ADAC-Karte und gab per Funk meine Daten durch. Danach meinte er zu uns: “Already done”, was wohl soviel bedeutete: kostet nichts!

Ich warf mich dem Bär um den Hals, weil der gerade so da stand und er umarmte mich genauso freudig. Already done – juhu. Und ich dachte anfangs schon, ich müsste entweder ein Vermögen bezahlen oder eine Scheibe einschlagen, um endlich wieder in den Camper zu kommen. Danach war ich natürlich so aufgewühlt, dass ich mir erst mal einen Tee machen musste. Es war mittlerweile nach 3:00Uhr, aber eingeschlafen bin ich sicherlich erst um fünf.

Fazit: 1. Das passiert mir auf dieser Reise hoffentlich nicht noch einmal.  2. Ich bin wirklich froh, dass ich mich nicht doch noch für Wildcampen entschlossen hatte. Da hätte ich dann wahrscheinlich wirklich die ganze Nacht draußen stehen müssen. 3. Der ADAC ist einfach spitze!

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