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Waimangu
Dezember 15th, 2009 by DieDiplomandin

Nachdem also die Hausarbeiten erledigt waren, ging es heute nach Waimangu. Waimangu wird auch als das Volcanic Valley bezeichnet, weil dort eine Vielzahl an Vulkankrater auf gerade mal 4 Kilometern recht nah beieinander liegen. Als ich darüber auf der ADAC Reisekarte NZ100 gelesen hatte, war mir klar: da muss ich hin! Die Fahrt nur kurz, aber dafür klasse. Knapp 20 Kilometer vom Camping Platz über wunderschönes “Auenland”.

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Die Nebenstrecke wurde immer kurviger und enger, aber wenn man langsam fährt, sind auch solche Stellen kein Problem. Nach knapp einer Viertelstunde war ich dann auch schon dort und musste mal wieder feststellen, wie praktisch so ein Camper doch ist. Wenn man nämlich mit dem Auto unterwegs ist, nimmt man in der Regel nicht den kompletten Kofferinhalt mit sowie Getränke und Lebensmittel. Somit muss man bei Ausflügen immer vorher schon alles bedenken. Aber mit so einem Camper kann man zu seinem Ausflugsziel hinfahren und wenn es dort zu kalt und der Boden zu steinig ist, so wie das heute der Fall war, wählt man eben die wärmere Jacke und die Trekkingschuhe. Und voila – ist man passend ausgerüstet. Noch ein paar Bananen als Proviant und los geht.


How the World began

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Waimangu ist das einzige hydrothermale System der Welt, dessen Anfang von Bodenaktivitäten auf den Tag genau bestimmt werden können. Das war nämlich der 10. Juni 1886. An diesem Tag erschütterten eine Reihe von Explosionen die Krater, so dass die geothermale Flüssigkeit an die Erdoberfläche dringen konnte. Vor diesem Ausbruch war dieses Tal wohl eine sanfte Buschlandschaft. Der Ausbruch zerstörte alle Pflanzen und Tiere im gesamten Tal. Alle Pflanzen, die man heute dort sehen kann, sind als Folge des Ausbruchs entstanden. Der sich immer weiter entwickelnde Wald ist ein Beispiel in Neuseeland für ein Biosystem, das nach einer kompletten Zerstörung wieder aufgebaut wurde.

Waimangu liegt in der Rotorua-Taupo-Region, die wiederum im pazifischen Ring des Feuers liegt. Der Ring des Feuers markiert in Neuseeland die Grenze zwischen der pazifischen und indisch-australischen Platte. Der Tarawera Vulkan, das Becken des Rotomahana Sees und die Krater des Waimangu-Vulkantales, die über einer der größten Bruchstellen der Erde liegen, sind Schauplatz der größten Eruption, die jemals in Neuseeland stattgefunden hat.

Der Park kostet übrigens umgerechnet 16.-Euro Eintritt, wobei der Shuttle-Bus, der zwischen drei Punkten im Park pendelt, inklusive ist. Als ich dort ankam, war es kühl, aber sonnig. Die Temperaturen lagen sicherlich unter 20 Grad Celsius. Man startet am obersten Punkt des Parks, so dass man die erste Wegstrecke nur bergab läuft. Die Vegetation ist hier wirklich erstaunlich komplett gemischt.

Natur pur

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20091215_Rotoura 030Wirklich beeindruckend sind vor allem die Riesenfarne. Aber auch die sonstige Pflanzenvielfalt, die hier entstanden ist. Je weiter man hinunter in das Tal kommt, umso intensiver wird der schweflige Geruch und umso wärmer wird es. Nach kurzer Laufzeit sieht man schon die ersten Nebelschwaden hochsteigen, von den heißen Quellen. Überall dampft und brodelt es. Sogar die Felsen qualmen, weil die extreme Hitze in ihnen hoch steigt.

 

Blubber-Brodel

Wo man hinschaut, im Tal blubbert und brodelt es, wie im Kochtopf. Hätte man da mal ein Ei reingeworfen, dass wäre schnell hart gekocht. Sogar das Holz der Befestigungspfosten wurde in Mitleidenschaft gezogen, so dass es aussah und qualmte wie Holzkohle.

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Ein kurzes Filmchen gibts hier.

Pflanzenvielfalt

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So zieht es sich durch den ganzen Park hindurch und man kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus. Teilweise habe ich mich wie im Jurassic-Park gefühlt und hatte manchmal das Gefühl, jetzt könnte noch irgendwo so ein vollautomatisierter Dinosaurier-Roboter auftauchen, dann wäre der Eindruck perfekt.  Aber auch die Fitness kommt in dem Park nicht zu kurz. Am Eingang erläuterte mir die Rangerin die möglichen Wanderwege durch den Park und eine Tour hat mich dabei natürlich sehr gereizt, nämlich die über den Panoramaweg, vorbei am Echo-Krater und noch einigen anderen Kratern.

Der Inferno-Krater

Die erste Station auf dem Abzweig zum Panoramaweg war der Inferno Krater.

20091215_Rotoura 167Der Inferno Krater ist mit smaragdblauen Wasser gefüllt, einem See, der seine eigenen Gezeiten hat. Denn er fließt zunächst ab, wobei sich der Wasserspiegel innerhalb von 2 Wochen um bis zu 8m senken kann. Danach füllt sich der See innerhalb von 3-4 Wochen, bleibt eine Weile konstant und dann wiederholt sich der Zyklus wieder. Die Wassertemperatur beträgt dabei ständig um die 80 Grad Celsius, wobei das Wasser auch noch einen sehr hohen PH-Wert haben soll. Dabei sieht er so verlockend aus, dass man am liebsten rein hüpfen wollte.

 

 

 

 

Bauch-Beine-Po inbegriffen

20091215_Rotoura 189 Um zum Panoramaweg zu gelangen, musste man zunächst ein wenig Schweißarbeit leisten, wobei ich mein Bauch-Beine-Po-Soll für diese Woche auch gleich erledigt hab. Als ich oben ankam, war ich jedenfalls beinahe tot. Der Weg belohnte mich dafür mit einer genialen Aussicht. Blöd war nur, um die anderen Krater noch zu sehen, musste man den unteren Weg laufen und dazu musste ich dann zunächst wieder zurück zu dem Abzweig. Aber ich nahms sportlich und hab es dann auch am Abend gemerkt.

Nach ca. 5 Stunden hatte ich so ziemlich alle Wege abgelaufen, alle Krater gesehen, jedes Blubberbläschen bewundert und die Botanik mit offenem Mund bestaunt. Auf dem Weg schwankte die Temperatur immer wieder von tierisch kalt bis ätzend warm, so dass ich alle paar Meter meine Jacke an und ausziehen musste.  Aber insgesamt war dieser Besuch allein schon die Reise wert.

 

 

Rotomahana Lake

20091215_Rotoura 22020091215_Rotoura 235Am Ende des Weges kam noch ein Highlight. Nämlich der Rotomahana See, auf dem man, wenn man wollte, auch eine Bootsrundfahrt machen konnte. Der See ist sehr groß gewesen, aber ich hab mich lieber auf den Landungssteg gepflanzt und die Stille und den See genossen. Wobei ich, während ich so auf den See sah, erst spät die Gestalten wahr nahm, die sich da vor meinen Augen wie in Zeitlupe bewegten. 

Es waren Schwäne, nicht ein oder zwei, sondern mindestens 30, wenn nicht noch mehr. Das besondere war nicht nur die Vielzahl, sondern auch, dass sie alle schwarz waren. Wie Schatten von Urzeittieren tauchten sie unlaut ihre Köpfe ins Wasser und hoben sie wieder heraus. Im Hintergrund hört man laut Ochsenfrösche quaken und exotische Vögel zwitschern.

 

So etwa musste es vor mehreren Millionen Jahren gewesen sein, als alles Leben begann.

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