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In einer Woche zum Mopedführerschein 3/7
Juni 30th, 2009 by DieDiplomandin

MöbelhausmittagVon 0 auf 160

Jetzt ist es schon affig spät, aber das muss ich jetzt noch aufschreiben.

Also der Tag heute war wirklich hart: Aufstehen um 09:00 Uhr war ja noch ganz relaxed, dann ein wenig auf dem Übungsgelände die Grundfahraufgaben geübt. War auch noch relativ lässig. Eigentlich kann ich schon alle Übungen bis auf das Ausweichen ohne Abbremsen und den schnellen Slalom. Da happert es noch etwas bei mir. Entweder werde ich zu langsam oder ich fahre am letzten Kegel vorbei. Das Gemeine ist ja, dass die beiden letzten Kegel zwei Meter enger zusammenstehen, als die ersten fünf. Dagegen ist der schnelle Slalom wohl Hartmuts Lieblingsübung geworden. Er meistert das mittlerweile wirklich souverän (Neid). Dafür hat er doch tatsächlich Probleme mit Schrittgeschwindigkeit den kleinen Slalom zu fahren. Da wirft er immer noch ab und an Kegel um (hihi). Aber generell ist unser Lernfortschritt mindestens einmal am Tag ungefähr gleich.

Nach dem Aufwärmen auf dem Übungsgelände ging es für mich heute auf die Landstraße beziehungsweise zu meiner zweiten Überlandfahrt. Die Nervosität meldete sich dann auch gleich wieder, was schon gewaltig nervt. Dann sollte ich auch noch eine Tankstelle ansteuern. Super, warum gerade ich? Tankstellen können nämlich ganz schön fies sein. Mit den vielen Gulli-Deckeln oder was immer das für Deckel auch sein mögen. Die sind mir noch nie wirklich aufgefallen. Aber auf dem Moped fällt mir so ziemlich alles auf, was am Boden rumliegt.

Nach dem Tanken – so ein Moped braucht ja erstaunlich wenig Sprit – ging es weiter, über gerade Landstraßen, auf denen ich wieder ordentlich Gas geben konnte, dann durch kleine Dörfer, in denen ich aufpasste wie ein Luchs, ob irgendwo ein Kind rumspringt oder eine Omi sich dem Fußgängerüberweg nähert, dann wieder auf schöne Landstraßen mit langen Kurven, und so weiter, bis ich von Detlef zum Mittagessen auf den Parkplatz eines Möbelhauses gelotst wurde. Da gabs dann lecker Spargel-Schnitzel. Das brauchte ich nach der Anstrengung auch. Allerdings wußte ich noch nicht, was Detlef heute noch alles mit mir vorhatte. Nach dem Mittag ging es dann nämlich auf die Autobahn.

Uijui, da sollte man schon mal 130 km/h fahren können. Ok, dachte ich, dann machst du das mal und drehte am Gashebel so weit, bis sich die Tachonadel endlich in diesen Geschwindigkeitsbereich bewegte. Dummerweise war da gleich ein LKW vor mir. Also versuchte ich diesen zu überholen. Leichter gesagt als getan. Wie um Himmelswillen soll man bei der Affengeschwindigkeit und dem Gegenwind auch noch den Kopf so weit umdrehen ohne, dass es einen von der Karre lupft. Also links rum schauen, klappte irgendwie noch ganz gut und Detlef gab mir auch Rückendeckung, so dass ich sicher ausscheren konnte, aber beim wieder einscheren ging gar nichts. Ich setzte den Blinker und schaute nur in den Rückspiegel und als ich den LKW halbwegs sah, den ich eben überholt hatte, zog ich die dicke Honda auf die rechte Spur. Ich hatte einfach zu sehr Angst, dass es mich aus dem Sitz hebt, während ich den Kopf nach rechts drehe. Durch den Helm hat man einen nicht unerheblichen Widerstand, der Kopfdrehungen um gefühlte (Fahrlehrer-gerechte) 360 Grad doch sehr erschweren kann. Als ich wieder sicher auf der LKW-Spur war, senkte ich die Geschwindigkeit gleich wieder auf 100 km/h und fuhr eine Weile hinter dem nächsten LKW her. Nach etwa gefühlten 2 Minuten packte mich aber wieder der Ehrgeiz und ich dachte mir: „Ich mach hier den Führerschein für ein großes Motorrad und nicht für ein Mofa, also sollte ich das hier auch mal nutzen“ . In mir tobte auf einmal eine Energie, keine Ahnung wo die plötzlich her kam, und ich beschleunigte die Maschine soweit bis ich wieder überholen musste. Auf der Überholspur wackelte mein ganzer Oberkörper, aber irgendwie gehört das wohl dazu, dachte ich und zog noch ein wenig weiter am Gasgriff. Als die Tachonadel mehrere gefühlte Sekunden 150km/h andeutete, war ich zufrieden und happy, dass ich das nun auch mal gemacht hab.

Irgendwann wurde der Wind scheinbar immer stärker. – Ich dachte an Fitness-Center, in denen man für so einen Kraftakt viel Geld bezahlt. Und das alles hat man auf dem Moped bei der Geschwindigkeit völlig umsonst. Man kann jedoch nicht einfach mal eben loslassen. – Kurz darauf sah ich sie dann auch schon: die riesigen Windräder. Die werden doch auch nur da aufgestellt, wo es ordentlich windet. Aha – dachte ich, also dann mal lieber etwas langsamer werden. Da hörte ich auch schon so ein Grrrchhkrchh- knacks – aus den Kopfhörer. Detlef wollte etwas mitteilen. Ich reduzierte die Geschwindigkeit wieder auf 100 und verstand: „nächster Parkplatz raus !“.


Als ich abstieg, vibrierte alles an mir und als ich meine Handschuhe abzog, fühlte sich mein linker Daumen irgendwie an, als ob er eingeschlafen wäre. Auf jeden Fall gab es hier den Fahrerwechsel und als Detlef mir sagte, dass ich schon eine dreiviertel Stunde auf der Autobahn rum düse, glaubte ich das nicht gleich. Hatte sich doch alles viel kürzer angefühlt. Andererseits war ich erstmal froh, dass ich ins klimatisierte Auto einsteigen konnte. Denn Autobahnfahren ist so ziemlich das anstrengendste, was ich die Tage auf dem Moped bisher gemacht hab. Hartmut ging dann auch gleich mal ab, wie die Post. Wummmm  und ruckzuck war der bei 160km/h. Zwischendurch hatte er dann auch mal 180km/h drauf. Naja – ist ja auch ein Mann, ein 52 jähriger Mann.

Um 17:00Uhr war dann wieder Sonderunterricht und ich war noch total verschwitzt. Verhalten vom Motorrad beim Bremsen war heute Schwerpunktthema. Danach schnell unter die Dusche, ein Toastbrot mit Schinken eingeworfen und da stand auch schon wieder Hartmut vor der Tür. Denn heute war ja auch noch die erste Nachfahrt. Als wir Detlef trafen wars schon am Dämmern und als ich losfuhr, bedeckte die Dunkelheit die Gegend und die Straßenlampen waren eingeschaltet.

So fuhr ich durch die Nacht und erlebte dabei wohl meine erste Motorrad-Glückseligkeit. Die Straßen waren leer, die Menschen waren daheim vor den Fernsehern oder schon im Bett und ich befuhr die schönen Kurven der Umgebung. Irgendwie war da keine Nervosität mehr, die Kurven machten nur noch Spaß und ich war mir richtig sicher auf dem Moped. Ein kleiner innerer Schrei freute sich in mir, als ich durch die Nacht fuhr, bis Detlef mich in die holprige 30er Zone einer Ortschaft lotste. Ständiges rechts vor links, anfahren, kurz fahren, anhalten, schauen, anfahren, … bäh. Naja, muss eben auch geübt werden.

Um elf war Pause beim MC und Treffen mit den anderen Fahrschulgruppen. Bevor es zum Futtern ging, musste ich Detlef erstmal sämtliche Beleuchtungselemente am Moped zeigen. Ja, da war er unerbittlich.

Der arme Hartmut war ja soooo müde und war um halb zwölf Uhr als nächster dran. Aber wie immer erledigte er auch diese Fahrt ganz routiniert.

Und nun bin ich ziemlich k.o. Morgen wirds nicht weniger. Da hab ich noch zwei Autobahnfahrten und wieder eine Nachtfahrt. Aber jetzt bin ich schon sehr zuversichtlich – das kriege ich nun auch hin-

Bis denn.

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