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In einer Woche zum Mopedführerschein 2/7
Juni 27th, 2009 by DieDiplomandin

kreisenKreisen

Heute ging es etwas früher mit einer Art Frühgymnastik los. Einer der Fahrlehrer, der hier vorwiegend den Sonderunterricht hält, führte mit uns ein paar Übungen zur Vorbereitung aufs Motorradfahren durch. Dadurch kam mein Kreislauf ganz schön in Schwung. Hat Spaß gemacht, die kleine gymnastische Einlage mit Tai Chi-Charakter. Danach folgte wieder Sonderunterricht mit verschiedenen Themen rund ums Mopedfahren, aufgelockert durch Filme. Zwischendurch sollen wir auf farbige Zettel aufschreiben, was wir in der Woche erwarten beziehungsweise wollen und was wir nicht wollen. Die Zettel werden auf zwei Plakate geklebt, gut übersichtlich. Aha, denke ich mir, das ist auch mal eine effektive Art auf die Wünsche und Bedürfnisse der Fahrschüler einzugehen. Hier wird man ernst genommen und man erkennt, unsere Zufriedenheit ist der Fahrschule ein wirkliches Anliegen.Danach gabs wieder Mittagessen im Hotel, ich hatte lecker Schnitzel, und dann ging es wieder zum Übungsplatz. Irgendwie bin ich immer noch total aufgeregt, sobald ich in die Nähe eines Motorrads komme. Ob das mal aufhört?

Heute sind Kreise dran. Dazu konnten wir einen riesigen Platz auf dem Gelände nutzen. Detlef stellte Hütchen in einem Kreis mit ca. 10 Meter Durchmesser auf. Ich sollte anfangen. Uff, denke ich, bin doch so aufgeregt. Aber die Anweisungen von Detlef geben mir Halt und ich tue das was er mir durchsagt: „Also gerade an den Rand der Kreisbahn anfahren und dann den Kreis umrunden.“ Zuerst bin ich noch sehr wackelig, aber dann traue ich mich recht schnell in den zweiten und irgendwann auch in den 3.Gang zu schalten. Dabei wird meine Schräglage immer steiler und ich innerlich immer stolzer. Wow! Ich befinde mich in Schräglage, denke ich, während ich vor Aufregung und Angst nicht mehr kapiere, was ich da eigentlich gerade tu. Irgendwie seltsam, dass die Maschine umkippt. Dann drücke ich die dicke Honda noch weiter runter. Und auch das klappt. Wow – noch mehr Schräglage. Bei aller Angst stelle ich dann doch noch die Überlegung an, das jetzt richtig auszutesten. Denn diese Gelegenheit kommt nicht so schnell wieder. Jedenfalls würde ich das nicht unbedingt mit meinem eigenen Motorrad ausprobieren wollen, wenn ich denn mal eines habe. Detlef meldet über Funk, dass ich mal zu ihm rüberfahren soll. Er fährt mit einem Stück Kreide der Breite nach über den Vorderreifen und meint: So und jetzt das Ganze noch mal. Ok, denke ich mir, das ist jetzt mal eine echte Herausforderung. Wieder fahre ich gerade an die Kreisbahn an und lege mich so weit ich kann in Richtung Boden. Neues Kommando von Detlef: Richtungswechsel! Dabei stelle ich fest, das mir Rechtskurven wesentlich mehr liegen, als Linkskurven. Keine Ahnung warum. Auf jeden Fall fühle ich mich da sicherer.  Ein weiteres Kommando von Detlef lautet: „..und nun in den Kreis.“ Uff, auch das noch. Der hat doch einen viel kleineren Durchmesser. Aber auch das klappt. Zwar nicht im dritten, aber im zweiten Gang. Nach gefühlten tausend Kreisrunden und einer dreiviertel Stunde später, bin ich ziemlich geschafft, total verschwitzt, aber auch mächtig stolz, weil mein Kreidestrich auch seitlich ordentlich weg geschubbert ist. Also, so schwer war das ja dann doch nicht, meine ich zu Detlef, mit einem leicht ironischen Unterton. Wenn ich dass jetzt auch noch unverkrampft hinbekommen würde, wäre alles gut. Hartmut ist voller Anerkennung, was bei mir wie Öl runter läuft. Nach der Vorlage zeigt auch er, was er so drauf hat. Dabei legt er sich mächtig ins Zeug, im wahrsten Sinne des Wortes.

Als nächste Übung baut Detlef mit den Hütchen eine Art Garage auf, sieben mal sieben Meter groß. Es gibt einen Eingang und einen Ausgang. „So, sagt er zu mir, dann fahr mal in die Garage hinein und zum Ausgang wieder raus.“ Wie ein vor der Barriere scheuendes Pferd beende ich nicht die Kreisbahn sondern fahre direkt durch die fiktive Mauer. Also nochmal, und nochmal und nochmal, und… Klappt irgendwie nicht. Dann beschließe ich selbständig einfach die andere Richtung zu nehmen. Und siehe da, das geht problemlos. Detlefs Kommentar dazu: „Wenn wir nun in Deutschland noch Linksverkehr hätten, wäre das wirklich prima“. Haha, so was blödes auch. Aber wo er recht hat, hat er recht. Also versuche ich es noch mal andersrum. Aber irgendwie habe ich keine Geduld mehr. Vielleicht auch gerade keine Kraft. Hartmut kippelt sogar einmal und wirft die Maschine beinah um. Aber schließlich schafft er es doch recht souverän in dem engen Quadrat den richtigen Ausgang zu nehmen. Als letzte Übung beschreiben die Hütchen eine Linksabbiegerspur und eine Rechtsabbieger-Spur. Aufgabe: einmal links abbiegen mit blinken und schauen, dann rechts abbiegen mit blinken und schauen. Und das auch wieder ca. 1000 mal.

Nach der Übung bin ich schon ganz schön gerädert. Daher freue ich mich auf die gesellige Runde bei Kaffee und Kuchen mit den anderen. Ein Art Euphorie wächst in mir, bilde ich mir ein. Macht Mopedfahren etwa glücklich oder ist das nur die Freude über den Erfolg, den ich nach meinen Erfahrungen im letzten Jahr so gar nicht erwartet hätte.


Bei Hartmut und mir kommt auch heute wieder spontan die Frage auf: Warum dürfen denn die anderen schon richtig fahren und wir nicht? Aber wir üben uns in Geduld und beschließen frühestens am Montag was dazu zu sagen. Immerhin waren das schon sehr wichtige Übungen, die man draußen auf der Straße auf jeden Fall beherrschen sollte. Und vorher konnten wir das eben noch nicht.

Nach der Pause, darf Hartmut die Honda fahren und wir gehen beide davon aus, dass wir wieder zurück zu unserer Kreisbahn fahren, doch Detlef schlägt plötzlich einen anderen Ausgang vor: den ins lebendige Geschehen, in die Außenwelt, auf die Straße. Boah, denke ich, und versuche mir vorzustellen, wie Hartmut sich wohl gerade auf der Honda fühlt. Hat Detlef etwa unsere Gedanken gelesen und gibt uns gleich mehr als wir verlangen? Meine Aufregung steigt, obwohl ich nicht grade auf dem Moped, sondern noch im Fahrschulauto neben Detlef sitze. Hartmut fährt voran und Detlef dirigiert ihn durch das Straßengewühl. Und wir fahren in den ersten Kreisverkehr, dann ein paar Meter gerade aus, dann folgt schon der zweite Kreisverkehr und dann der dritte, … Und mir wird klar, warum wir die Übungen eben so gründlich geübt haben.

Endlich darf auch ich drauf. Meine Nervosität ist am Anschlag, aber irgendwie freue ich mich, dass ich jetzt endlich Mopedfahren darf. Und es geht. Ja es geht gut. Kreisverkehre sind zwar immer noch nicht meine Vorlieben, aber ich kann sie umfahren und sogar gleichzeitig vor dem raus fahren blinken. Auf einer geraden Strecke, auf der man 100 fahren darf, drehe ich mal kurz auf und bekomme sogleich die Seitenwinde, die durch die Bäume am Straßenrand dringen, zu spüren. Ups, darauf muss man auch vorbereitet sein. Schon ein ganz anderes Feeling, als so im Auto. Jedes Lüftchen spüre ich und das Moped scheinbar auch. Was bei 60 km/h noch harmlos ist, kann bei 100 km/h schon doppelt so stark sein. In der Ortschaft kommt eine Unterführung, bei der es etwas steil runter geht und in eine weite Kurve hinein. Beinah, aber nur beinah, wäre ich zu schnell gewesen.  Und so geht mein Abenteuer weiter über schöne und manchmal holprige Straßen, Fußgängerüberwege, Fahrradwege, große Kreuzungen, kleine Kreuzungen und zurück zum Übungsgelände. Das war einfach klasse! Einfach super schön, kann ich nur sagen.

Den perfekten Abschluß des heutigen Tages bildet der Grillabend in der bereits bekannten Biker-Kneipe. Ein wirklich klasse Tag, war das heute. Jetzt bin ich todmüde, k.o., happy und alles mögliche mehr. Morgen ist Erste-Hilfe-Kurs angesagt. Die Fahrlehrer haben frei und wir haben Zeit um noch ein paar Bögen für die Theorie-Prüfung zu lernen.

Na dann, bis morgen.

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